Die Difunta Correo

14 11 2009

Unsere Zeit in Mendoza ist vorbei und heute abend werden wir uns per Nachtbus auf den Weg nach Cordoba machen. Vorher wollen wir aber noch die Eindrücke von einem Ausflug zu einem etwas seltsamen Ort mit euch teilen.

Etwa 3 Stunden von Mendoza entfernt, liegt der kleine Ort Vallecito, in dem sich alles um die Difunta Correo dreht. Der Legende nach lief vor vielen, vielen Jahren eine Frau mit ihrem kleinen Kind durch die Wüste, um ihren Mann zu suchen, der von Soldaten verschleppt wurde. Tragischerweise verdurstete die arme Frau. Ihr Kind trank aber weiterhin an der Mutterbrust und war daher einige Tage später, als die Difunta Correo gefunden wurde noch am Leben. Da für die Argentinier sowohl die treue Ehefrau, die ihrem Mann in die Wüste folgt, als auch die fürsorgende Mutter äusserst wichtig sind, wird die Difunta Correo heute verehrt, wie eine Heilige.

Autobusweise fahren die Argentinier zu dem kleinen Wahrfahrtsort und bringen Geschenke. In erster Linie Wasserflaschen, was dazu führt, dass hinter der Kapelle der Difunta ein ungaublicher Berg an Plastikflaschen wächst. Aber auch sonst wird zu ziemlich alles in die Wüste geschleppt, was man sich nur vorstellen kann.
Der Weg zur Kapelle ist gesäumt von tausenden Nummerntafeln und Autoteilen (vom Lenkrad bis zum Keilriemen ist alles vorhanden), da die Difunta Schutz auf den Strassen geben soll. Damit auch das Haus geschützt wird, brigen die Leute kleine Miniaturhäuser für die Difunta, so dass der gesammte Kapellenhügel aussieht wie eine kleine Puppenstadt.

Aber das ist noch nicht genug: daneben gibt es weitere kleine Kapellen, die bis obenhin voll sind mit Geschenken – nach Themen geordnet: so gibt es eine Kapelle mit Sportdressen und Pokalen, eine mit Modellautos, eine mit Brautkleideren und eine mit Polizeikappen. Und sogar Gipsarme und Babywindeln haben wir gesehen.
Ein unglaublich faszinierender Ort…



Neues aus Mendoza

6 11 2009

Seit über einem Monat sind wir nun schon in Argentinien und haben uns schon recht gut eingelebt und viel von der argentinischen Lebensweise aufschnappen können. So haben wir z.B gelernt „Truco“ zu spielen, ein Kartenspiel das für argentinien genauso typisch ist wie Schnapsen bei uns. Die Regeln sind eigentlich absolut unlogisch, wichtig ist es, viel zu lügen und zu schreien – ein ziemlicher Spass.

Ausserdem haben wir uns inzwischen an den Mate gewöhnt und trinken nun anstelle von Kaffee auch nur noch Yerba Mate, der mit heissem (aber ja nicht kochendem) Wasser aufgegossen wird und mit Hilfe einer Bombilla (ein kleines Metallrohr mit Sieb) aus einem kleinen Kürbis- oder Holzgefäss geschlürft wird. Der Geschmack ist etwas bitter und daher gewöhnungsbedürftig, aber dafür wird man von Mate wunderbar frisch und munter und es ist viel gesünder als Kaffee. Die Argentinier trinken den Mate literweise (kein Wunder bei den langen Nächten hier) und auch wir haben unseren Mate und die Thermoskanne mit heissem Wasser mittlerweile fast immer dabei, wenn wir das Haus verlassen. 

Auch an den sehr chaotischen Strassenverkehr haben wir uns gewöhnt und können nun am täglichen Schulweg unsere Hausaufgaben machen oder Mate trinken ohne von einem Bus überfahren zu werden (in den ersten Tagen wäre uns das beinahe einige Male passiert). Mit dem Verkehr ist das hier so eine Sache: als Fussgänger kümmert man sich generell nicht darum ob eine Ampel rot oder grün ist, sondern konzentriert sich darauf, heil die andere Seite zu erreichen. Die Autofahrer in Mendoza unterscheiden die Farben zumindest manchmal, aber sicher sein kann man sich auch nicht, dass jeder bei Rot stehenbleibt. Ist auch kein Wunder. Wir haben gehört, dass es in einigen Landesteilen Führerscheinprüfungen und Fahrstunden nur in der Theorie gibt – in der Praxis werden Führerscheine teilweise einfach gekauft, wenn man einen braucht.

Richtig interessant ist es an Kreuzungen ohne Ampel. Bis heute haben wir das System an diesen Kreuzungen nicht durchblickt. Rechtsvorrang gibt es definitiv nicht und auch kein anderes erkennbares Vorrangsystem. Der am schnellsten fährt gewinnt im Zweifel und natürlich kracht es entsprechend oft. Dementsprechend wird nicht viel Wert auf schöne Autos gelegt. Es ist immer wieder faszinierend, was sich hier so alles auf den Strassen bewegt. Einigen Autos würde man es kaum zutrauen, dass sie es bis zur nächsten Strassenecke schaffen, aber sie holpern und husten munter weiter. Wir werden uns wohl weiterhin lieber auf das Busnetz in Argentinien verlassen, als uns selbst hinters Steuer zu setzen…



Ausflüge in die Berge

1 11 2009

Nun sind wir schon seit einem Monat unterwegs und die Zeit ist wie im Flug vergangen. Wir sind immer noch in Mendoza und arbeiten an unseren Spanischkenntnissen. Aber das frühe Aufstehen, die Schule und vor allem die täglichen Hausaufgaben nerven uns schon ein bisschen, denn dadurch ist unsere Siesta-Zeit beschränkt.

Die Siesta wird hier im Westen Argentiniens so richtig zelebriert. Zwischen 14:00 und 17:00 rührt sich so gut wie gar nichts in der Stadt. Fast alle Geschäfte sind zu und sogar die Strassenhunde schlafen im Schatten. Aber kein Wunder – mittlerweile ist es am Nachmittag schon richtig heiss. Die letzten Tage hatte wir zwischen 35 und 38 Grad – da kann man nicht viel mehr machen als schlafen.

Aber natürlich verbringen wir nicht die ganze Zeit mit Siesta, sondern haben auch unsere ersten Ausflüge in die Berge unternommen. Wir waren in den Thermen von Catcheuta, wo man sich selbst in bis zu 40 Grad warmen Wasser kochen kann. Ausserdem waren wir bei einem Stausee in der Nähe von Mendoza, mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Anden (ganz hinauf zur chilienischen Grenze haben wir es leider noch nicht geschafft).
Die Ausflüge sind immer wieder ein Erlebnis, weil man mit rumpelnden vollbesetzten, manchmal fast schrottreifen Bussen über die Bergstrassen holpert und von unterwegs immer wieder ganz tolle Panoamablicke auf die Berge hat.

Anbei wie immer einige Eindrücke aus Mendoza und von unseren Ausflügen.



Die erste Woche in Mendoza

24 10 2009

Seit knapp einer Woche sind wir nun schon in Mendoza, einer Stadt am Fusse der Anden, wo wir für 4 Wochen einen Sprachkurs machen. Wir stehen also jeden Tag früh auf und gehen für 4 Stunden in die Schule. Aber es ist die Mühe wert: unser Spanisch macht rasante Fortschritte. Leider haben wir nun allerdings auch weniger Zeit um unseren Blog zu aktualisieren – Sorry!

Um den Lernprozess noch zu beschleuningen, haben wir uns bei einer argentinischen Gastfamilie einquartiert: bei Marilú, ihrer Tochter Roxana und Canilo, dem faulsten Hund der Welt, der echt nichts anderes tut als schlafen. Und wieder einmal sind wir von der argentinischen Gastfreundschaft positiv überrascht. Gleich am 2. Tag – dem argentinischen Muttertag – wurden wir von der Familie zu einem echten Asado eingeladen.

Das argentinische Asado ist eine Sache für sich und mit unserem Grillen nicht wirklich zu vergleichen. Schon das Fleischkaufen ist eine Zeremonie:
In der Fleischabteilung des Supermarktes muss man gut 40 Minuten anstehen, weil jeder einzelne Argentinier Unmengen verschiedener Fleischsorten kauft und die Fleischhauer zerlegen praktisch im Minutentakt ganze Kühe. Wenn man sein Fleisch endlich hat, muss man nocheinmal an der Kasse  gut 30 Minuten warten, weil die Argentinier alle Zeit der Welt haben um mit dem Kassier zu plaudern oder ihre Taschen umzupacken.

Auch das Asado selbst ist eine abenfüllende Angelegenheit. Alleine die Vorbereitung der Glut dauert rund 1 1/2 Stunden. Dann kommt so ziemlich jeder Teil der Kuh auf den Rost: Rippen, Steaks, Nieren, Hirn, Därme, Bratwürste, Blutwürste, etc., die weit über eine Stunde gegrillt werden. Für hungrige und ungeduldige Europäer eine wahre Geduldprobe.

Das Essen selbst dauert noch einmal einige Stunden, denn es kommt die ganze Familie samt Freunden zusammen und es wird ohne Pause geredet. Vor 2 Uhr morgens geht keiner der Gäste nach Hause, auch wenn am nächsten Morgen alle wieder arbeiten müssen.
Hier hat einfach jeder viel mehr Zeit und man denkt nicht soviel an morgen, was für uns eine sehr angenehme Erfahrung ist.