Von Chiang Mai aus sind wir rund 3 Stunden mit dem Bus in die dschungelueberwucherten Huegel von Pai gefahren um ein bisschen Abenteuer zu erleben. Mit Mr. Chart – einem alten Dschungeljaeger – haben wir schnell einen erfahrenen Guide gefunden und gemeinsam mit seinem Assistenten Sup sind wir frueh am Morgen aufgebrochen um 2 Tage in einem absolut entlegenen Winkel im tiefsten Dschungel, abseits von allen anderen Trekkingtouristen, zu verbringen.
Bewaffnet mit Gewehr und Machetten sind wir also losgestapft. Mr Chart hat uns gleich zu beginn von Tigern, Baeren, Schlangen, Taranteln, riesigen Wildschweinen und 40 kg schweren Affen erzaehlt, die ueberall im Dschnungel wohnen, aber wir haben erst einmal nur illegale Teakholz-Schlaeger gesehen. Unterwegs haben wir auch zahlreiche Graeber von burmesischen Drogenschmugglern passiert, die hier im Dschungel von Grenzsoldaten erschossen wurden, aber zum Glueck sind wir auch denen nicht begegnet.
Mittags gab es noch ganz zivilisiert Reis (mit Hilfe von Bananenblaettern in Bambusrohren gekocht) und gegrilltes Rind- und Huehnerfleisch. Aber das war auch schon das letzte „normale“ Essen. Nach einigen schweisstreibenden Stunden im schwuelen Dschungel haben wir am spaeten Nachmittag endlich einen Platz mit Frischwasser erreicht, wo wir unser Nachtlager aufschlagen konnten. Dazu war aber erst einmal harte Arbeit notwendig: Bambusrohre mussten gefaellt und Bananenblaetter gesammelt werden, um uns einen Unterschlupf zu bauen. Ausserdem mussten wir dringend unsere Wasservorraete auffuellen und daher Literweise Flusswasser in Bambusrohren im offenen Feuer kochen.
Und auch fuer das Abendessen musste natuerlich gesorgt werden, aber dafuer hatten wir ja unseren Jaeger. Gleich bei Einbruch der Dunkelheit hat Mr. Chart sich gemeinsam mit Philipp auf den Weg gemacht um Froesche zu jagen. Um diese aus ihren Verstecken zu locken hat Mr. Chart einfach ein Buschfeuer entfacht. Da der Boden staubtrocken war, waren wir anfangs etwas besorgt, dass das Feuer voellig ausser Kontrolle geraten wuerde. Aber unser Dschungelguide wusste schon was er tat und das Feuer ging wie von ihm prophezeit genau an den Richtigen Stellen wieder von selbst aus. Die gefangenen Froesche bekamen wir uebrigens anschliessend als leckere Tom Yam Frog – Soup serviert.
Waehrend wir die Nacht gemuetlich in unserem Bananen-Bambus-Lager verbracht haben, ist Mr. Chart natuerlich wieder auf die Jagd gegangen und konnte uns beim Aufwachen seinen naechsten Fang praesentieren: irgendeine Riesenratte (angeblich ein Racoon), die er erst einmal uebers offene Feuer gehalten hat um sie zu haeuten, bevor Helferlein Sup das Tier ausgenommen hat und uns zum Fruehstueck eine scharfe Suppe aus Ratteninnereien und Reis gekocht hat. Aber da Innereien ja nicht jedermanns Sache sind, gab es natuerlich auch noch einige Froesche vom Vorabend – diesmal am Spiess gegrillt.
Gestaerkt von diesem etwas aussergewoehnlichen Fruehstueck haben wir uns schliesslich wieder auf den Weg in die Zivilisation gemacht. Auf dem Rueckweg sind wir an einem netten Wasserfall vorbei gekommen, wo wir uns erst einmal den ganzen Dreck abwaschen konnten und unser Jaeger hat unterwegs noch schnell eine Eule geschossen. Unsere Befuerchtungen, dass wir Mittags Eulensuppe bekommen wuerden, hat sich aber gluecklicherweise nicht erfuellt – es gab nur gegrillte Froesche, Reis und Papayas. Nach stundenlangem Vorwaertskaempfen durch den dichten Dschungel (wobei wir tatsaechlich noch 2 Schlangen gesehen haben) sind wir schliesslich am Nachmittag wohlbehalten wieder in Pai angekommen, wo wir uns erst einmal im Supermarkt Cola, Chips und Schokoriegel zur Erholung gekauft haben.
Uebrigens: den Rest der „Ratte“ und die Eule haben wir an den folgenden 2 Abenden noch als Ragout kosten duerfen. Allerdings brauchten wir ziemlich viel Whiskey um die Koestlichkeiten hinunter zu spuelen 🙂